Prüfungsangst und was Du dagegen tun kannst

Es ist soweit! Mein letzter (4.) Versuch in Elektrotechnik II an der FH. Ich habe schweißnasse Hände, mein Herz rast und immer wieder muss ich daran denken, was passiert, falls ich es dieses mal wieder nicht schaffe.

Eine halbe Stunde Später: Ich sitze vor dem Prüfungsbogen und lese die erste Frage durch…….weiß ich nicht, die Nächste………..puh, auch nicht….. die Nächste……usw. bis keine Frage mehr übrig ist. Ich habe doch viel gelernt, war regelmäßig im Tutorium und habe alle alten Prüfungen durchgearbeitet denen ich habhaft werden konnte. Warum also ist es jetzt so, als ob ich abgesehen von meinem Namen gar nichts mehr weiß?

Vielleicht kennt der ein oder die andere das. Bestens vorbereitet und dann einen Black-Out in der Prüfung. Wenn die Angst zu versagen so groß ist, dass das Gehirn vor Schreck alles gelernte versteckt, als könnte es gestohlen werden sobald man sich daran erinnert. Die gute Nachricht ist also, dass Du das was Du gelernt hast nicht weg ist, sondern gerade nur in Sicherheit gebracht wurde. Angst und Stress, ab einer gewissen Intensität, engen die Denkfähigkeit ein und deshalb scheint es als könne man gerade nicht klar denken.

Was also tun, um in Prüfungen Entspannt zu bleiben und nicht lange im Kopf nach dem gelernten suchen zu müssen?

Gute Vorbereitung

Ja, ich hatte mich für diese Elektrotechnik-Prüfung super vorbereitet, und trotzdem hatte ich unglaubliche Prüfungsangst. Das kann trotz guter Vorbereitung passieren, und ohne Vorbereitung hätte ich so entspannt sein können wie nach einer 2 Stündigen Wellness-Massage, die Prüfung hätte ich trotzdem nicht bestanden. Eine gute Vorbereitung hilft dabei Ruhig zu bleiben und gibt Sicherheit. Sie ist die Basis für den Erfolg.

Entspannung

Der Alltag kann hektisch sein, und gerade während der Prüfungsvorbereitung stehen viele Menschen ziemlich unter Strom. Die Prüfung rückt immer näher und es gibt noch so viel zu lernen. Man setzt sich selbst unter Druck und der Stresslevel steigt immer weiter. Nicht nur, dass man unter Stress nicht besonders gut lernen kann, sondern auch die Tatsache, dass wenn man schon seit geraumer Zeit unter Stress steht, macht es es nicht gerade leichter entspannt und locker in die Prüfung zu gehen. Nimm Dir also regelmäßig Zeit zu entspannen. Auch, und vor allem dann, wenn Du glaubst keine Zeit dafür zu haben. Mach einen Spaziergang, Meditiere, höre Musik oder tue sonst irgend etwas bei dem Du abschalten und Dich entspannen kannst.

Fokus

Gerade mach ich eine Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie. Zur Vorbereitung auf die Prüfung arbeiten wir in einer Gruppe immer wieder alte Prüfungen durch. Nach der Besprechung wissen dann die meisten genau wie viele Fehler sie gemacht haben, was bei ihnen nicht gerade gute Gefühle auslöst. Ich bin dazu über gegangen, die richtigen Antworten zu zählen. Es ist natürlich auch wichtig zu wissen, wo man noch nicht ganz den nötigen Wissenstand hat. Das ist aber nicht mehr und nicht weniger als ein Hinweis darauf, was es noch zu lernen gibt. Die richtigen Antworten zeigen was Du schon kannst und weißt. Mach Dir das immer wieder bewusst, freue Dich darüber und sei stolz auf Dich. Diese Erfolgserlebnisse motivieren beim lernen und Du bist Dir dessen bewusst, was Du alles schon beherrschst. Gerade vor einer Prüfung ist es deutlich zielführender darüber nach zu denken, als über das von dem man glaubt es nicht zu wissen.

Nimm den Druck raus

Eine versemmelte Prüfung ist kein Weltuntergang. Es ist einfach nur eine Aussage über Deine momentane Fähigkeit bestimmte Fragen richtig zu beantworten. Es geht dabei nicht um Leben und Tod. Es geht um eine Zahl, eine Bewertung einer Person die Dich in der Regel – wenn überhaupt – nicht mal besonders gut kennt. Es geht nicht um Dich als Person, nicht mal um das was Du wirklich weißt, sondern nur darum, was du zu diesem speziellen Thema in der Prüfungssituation abrufen kannst. Selbst wenn es schief geht und sich dadurch eine Türe schließt, geht wo anders eine neue Türe auf……und wer sagt, dass das was hinter dieser Türe liegt nicht mindestens genau so gut ist.

Plane eine positiven Ausgang

Was würde passieren, wenn ich die Prüfung nicht schaffe? Also schlimmsten falls? Ich werde von meiner Familie und meinen Freunden verstoßen und nachdem mich alle herzlich ausgelacht haben, will keiner mehr was mit mir zu tun haben. Meine berufliche Zukunft ist zerstört, ich werde Obdachlos und friste den Rest meines Lebens bestenfalls unter einer Brücke.
So oder so ähnlich habe ich mir das damals ausgemahlt. Kein Wunder also, dass ich unglaublich nervös und ängstlich war. Genau so funktioniert Angst, man malt sich Dinge aus, die man nicht haben wollen würde. Mach also genau das Gegenteil. Stell Dir vor wie Du entspannt und selbstsicher in die Prüfung gehst. Stell Dir vor wie Du ganz leicht alle Fragen beantwortest und am Ende mit einem guten Gefühl den Prüfungssaal wieder verlässt. Stell Dir vor wie es sich anfühlt bestanden zu haben und Dir Deine Familie und Freunde gratulieren. Stell es Dir so genau wie möglich vor. Vor allem den letzten Teil, und mache diese kleine Übung regelmäßig als festen Bestandteil Deiner Prüfungsvorbereitung.

Kleine Helferlein

Nimm zu Deiner Prüfung etwas mit, was dich positiv stimmt. Vielleicht hast Du einen Lieblingskugelschreiber, ein Stofftier oder irgend einen anderen Talisman. Wenn es erlaubt ist, nimm ihn mit. Damit hast Du einen Anker, der Dir dabei hilft Dich wohl zu fühlen. Dabei hilft Dir auch die entsprechende Wohlfühlkleidung. Falls Du die Möglichkeit hast, schau dir den Prüfungssaal vorher schon einmal an, so dass Du am Prüfungstag eine vertraute oder zumindest bekannte Umgebung vorfindest. Hast Du diese Möglichkeit nicht, kannst Du Dich, sobald Du den Raum betrittst, damit vertraut machen. Schau Dir alles ganz genau an. Wenn Dir die Umgebung in der Du Deine Prüfung schreibst geläufig ist, fällt es Dir leichter Dich auf das wesentliche zu konzentrieren. Zu guter letzt gehe rechtzeitig aus dem Haus. Sei lieber etwas früher da als abgehetzt auf den letzten Drücker anzukommen. Während Du dann darauf wartest, dass es los geht, kannst Du Dir dann noch mal den positiven Ausgang vorstellen, was dich auch davor beschützt mit anderen Prüflingen ins Gespräch zu kommen, die etwas anderes planen.

Wie ging meine Prüfung eigentlich aus?

Nach dem zweiten mal durchblättern dachte ich erstmal „O.K., das war’s jetzt mit dem Studium“. Komischer weise kam keine Panik oder so etwas auf. Ich fühlte mich auf einmal erstaunlich gut und gelassen. Also dachte ich mir „Wo ich schon mal da bin, kann ich ja auch was auf die Blätter schreiben. Zu verlieren gibt es jetzt eh nix mehr.“ Also ging ich die Aufgaben nochmal eine nach der anderen durch und zu meiner großen Überraschung kamen auf einmal die Ideen, wie die Lösung sein könnte. Aufgabe für Aufgabe beantwortete ich einfach soweit ich es wusste und freute mich, dass am Ende der Prüfung doch einiges auf dem Prüfungsbogen stand. Ein paar Wochen später bekam ich das Ergebnis und ich traute meinen Augen nicht. Eine 4! O.K. manch einer würde jetzt sagen, dass das keine besonders gute Note ist. Doch für mich war es schöner als jede 1 (und davon gab es in meiner Schullaufbahn nicht allzu viele). Bestanden! Da kam mir eine Textzeile aus einem Song der Ärzte in den Sinn:

Du bist immer dann am besten, wenns dir eigentlich egal ist

Danke dass Du diesen Artikel bis zum Ende gelesen hast und ich hoffe, dass Du das ein oder andere für Dich umsetzen kannst und so in der nächsten  Prüfung oder etwas ähnlichem zeigen kannst was Du wirklich kannst.

Dein Alex

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.