„Das ist doch klar!“ – Gedankenlesen in der Beziehung

„Aber dass musst Du doch wissen!“ oder „Das kannst Du Dir doch denken!“ Ein typischer auftakt für einen mehr oder weniger kleinen Streit in einer Beziehung. Man hat es doch gesagt…..angedeutet…oder auf jeden Fall gemeint. Erst gestern hat man noch einen Hinweis gegeben und trotzdem hat es der andere falsch bzw. nicht verstanden. In diesem Internet kann man doch auch lesen:

Ich bin nur dafür verantwortlich, was ich sage – nicht dafür, was du verstehst

und was im Internet steht, stimmt immer, also liegt der Fehler nicht bei mir!

So kann man das auch sehen und es bewahrt auf jeden Fall schon mal davor selbst etwas ändern zu müssen. Wenn er oder sie sich also konsequent weigert Dich richtig zu verstehen, kannst Du ja mal einen Kurs geben. „So verstehst Du mich richtig“ währe ein schöner Name und man ist ja im Grunde auch ganz leicht zu verstehen 🙂 Bereite doch einfach mal so einen Kurs für Deine Partnerin vor:

Wenn ich ….. sage, meine ich….. und das bedeutet auch …..
Wenn ich so schaue, bedeutet das…. oder auch das….., aber nur wenn…..
Wenn ich sage, dass ich……., dann bedeutet das, dass……, und da darfst Du aufpassen, weil wenn das so ist, dann meine ich ……
usw.

Das ist echt eine Aufgabe so einen Kurs zu gestalten, der auch noch einen Anspruch auf Vollständigkeit haben soll. Wie viele Stunden, Tage oder Wochen würdest Du dafür ansetzen? Gäbe es eine Abschlussprüfung? Warum nicht, dann weißt Du gleich, wo Du noch nacharbeiten darfst bzw. wo Deine Partnerin noch schwächen hat 🙂

Ernsthaft, dass würdest Du doch nicht wirklich in Erwägung ziehen. Oder Doch? Auf jeden Fall kann Dir schon allein das überlegen, wie Du so einen Kurs gestallten könntest schon mal eine Idee dafür geben, wie häufig Du davon ausgeht, dass dein Gegenüber praktisch Deine Gedanken lesen kann und immer weiß was Du meinst.

In vielen Fällen klappt das sogar ausgesprochen gut und Deine Partnerin interpretiert Deine Worte und Gesten richtig. Leider kommt es aber auch oft zu Missverständnissen die vielleicht sogar zu Enttäuschung, Ärger und Streit führen.

Dann bleiben noch die Fälle, bei denen es noch nicht so gut klappt. Was kann man also tun, um nicht in die Falle zu tappen nur zu glauben, dass der Andere immer weiß was gemeint ist, oder man selbst immer weiß was der Partner meint?

Sprich es aus!

Es kann durchaus sein, dass nicht jeder Deine Erwartungen und Bedürfnisse immer kennt. Tatsächlich kommt es oft zu Enttäuschungen und Missverständnissen, weil man glaubt, der oder die andere müsste sie kennen. Kann sein, kann aber auch nicht sein. Wenn Du also auf Nummer sicher gehen willst, gib deinem*r Herzallerliebsten eine Chance und rede mit ihm/ihr.

Nachfragen!

Sobald Dir nicht 100% klar ist was Dein Partner meint, frag nach. Das ist hundert mal besser als ein zu spätes „Ich dachte Du meintest…..“. Dabei gibt es noch einen kleinen Fallstrick: Manchmal glauben wir zu wissen, was der*die Andere meint und es stellt sich erst später heraus, dass etwas ganz anderes gemeint war. Wie kannst Du das also vermeiden und Dir sicher sein was gemeint ist?
Es gibt Wörter, bei denen man im ersten Moment glaubt zu wissen was jemand meint und die für jeden etwas anderes bedeuten. Z.B.: „Ich gehe nur kurz mit einem Freund weg.“ Was bedeutet kurz genau? 1 Stunde, 2 Stunden, …. . Oder: „Ich lade morgen ein paar Freundinnen zu uns ein.“ Wie viele sind ein paar? 2, 3, 4,…..?

Ziemlich trivial, nicht? Etwas länger dürfte die Erklärung ausfallen, wenn z.B: Dein Partner sich mehr Nähe wünscht. Was genau versteht er unter nähe? Immer oder nur in bestimmten Situationen? Wie viel ist mehr? Welches konkrete Verhalten wünscht sich also dein Partner?
Anderes Beispiel: „Ich wünsche mir mehr Freiheit.“ Was genau versteht Deine Partnerin unter „Freiheit“? In welchem Kontext? Wie viel ist mehr?

Zwei Tipps wie Du erkennen kannst ob wirklich alles klar ist:

Freiheit zum Beispiel ist ein reines Gedankenkonstrukt. Für jeden kann es etwas anderes bedeuten. Für den einen kann es bedeuten, dass er sich um nichts mehr kümmern muss, die andere will sich vielleicht nur selbst aussuchen, um was sie sich kümmert. Für wieder jemand anderen ist überwiegend finanzielle Freiheit gemeint. (Ab welchem Kontostand oder Monatseinkommen würde er sie haben?)

Freiheit ist also wie Nähe, Sicherheit und vieles mehr etwas das man nicht anfassen kann. Das ist auch schon der erste Tipp: Frage Dich, ob Du es anfassen kannst. Wenn Du es nicht anfassen kannst – und da kannst Du in diesem Kontext großzügig sein: Die Sonne oder der Mond gehen auch noch durch – frage nach, was genau der Andere damit meint.

Der zweite Tipp ist: Male in Gedanken ein Bild von dem was Deine Partnerin sagt. Du wirst dabei sehr schnell feststellen können, ob das was Du da gerade Zeichnest wirklich eindeutig das ist, was sie meint, oder ob auch Interpretationen von Dir dabei sind. An diesen Stellen kannst Du dann nochmal nachfragen um das Bild wirklich so zu malen, wie sie es sieht.

Der Sinn von Kommunikation ist das Feedback, das man bekommt

Es wäre natürlich schön, wenn jeder von sich aus nachfragen würde, wenn er etwas nicht 100%ig verstanden hat. Leider ist es in der Realität nicht immer so. Also ist es an Dir Dich klar und deutlich auszudrücken und falls es doch zu Missverständnissen kommt, gib nicht dem Anderen die Schuld. Sag es einfach das nächste mal anders, bis Du das Feedback bekommst, dass Du haben willst.

Es ist also recht einfach Missverständnisse zu vermeiden. Fragen und Malen ist angesagt…..und natürlich zuhören 😉. Ganz nebenbei kannst Du dabei auch noch jede Menge neues über deine*n Partner*in und auch über Dich erfahren.

Danke dass Du diesen Artikel bis zum Ende gelesen hast und ich hoffe Du findest ihn hilfreich. Falls Du Anregungen oder Wünsche für Themen hast, über die Du hier gerne lesen würdest, oder mir Feedback geben willst, schick mir einfach eine Nachricht. Ich würde mich freuen von Dir zu lesen.

Dein Alex

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